Diesmal Patenonkel







Eine neue Quilt-Geschichte oder "Bunt ist meine Farbe!"

Irgendwann, ich weiß gar nicht mehr wann, hatte ich beschlossen, dass Hannah, das Patenkind meines Mannes und Tochter, bester Freunde einen Quilt zur Konfirmation bekommen sollte.

Sämtliche Ideen, wie eine "Klavier-Tischtennis-Skateboard"-Decke bis zur genähten Deutschlandkarte mit gestickten Städte-Skylines wurden alle wieder verworfen, weil zu banal, umfangreich oder was auch immer.
Die 13-Jahre-lang geliebte Lieblingsfarbe Grün wurde vor kurzem auch auf die hinteren Plätze degradiert und meine Kriterien für eine ganz persönliche Hannah-Decke wurden rar ...

In solchen Momenten werde ich dann ganz egoistisch und denke mir, wenn ich nicht weiß, wie ich dich glücklich machen kann, dann will ich wenigstens mich glücklich machen!
Und mein Traum war, einmal eine Regenbogen-Decke zu nähen!
Aber es gab sooooo viele schööööne Decken, dass ich gar nicht wusste, welche mir am besten gefiel.

Zum Glück war es mittlerweile Winter 2014 und die Zeit drängte. Es musste also etwas einfaches und geling sicheres gefunden werden.
Bei Etsy, dem globalen DaWanda, fand ich dann bei „Red Pepper Quilts“ in Australien eine Anleitung.
Ich investierte die 8 Euro fix über Paypal und erfuhr nur 5 Minuten später, dass 9 Jahre Schulenglisch Zeitverschwendung waren.
Ein paar Videos zum Thema "Rail Fence" (so heißt das Muster) später, wagte ich mich dann ganz mutig an mein neues Projekt.

Im Quiltcabin Shop Dortmund fand ich wunderschön zusammengestellte Päckchen mit 2,5"-Stoffstreifen. Nach dem ich die Farben sortiert hatte, wurde aber klar, dass ich noch Farben ergänzen musste. Aber zum Glück stand der Dillenburger PW-Tag im Kalender und ich konnte mein Problem lösen.
Inzwischen hatte ich auch mal Probe genäht und festgestellt, dass 3 Streifen von 2,5" zusammengenäht genau 16 cm breit waren.
Das bedeutete, ich brauchte 10 x 14 Quadrate um auf eine ordentliche Größe zu kommen. Gemalt, gezählt, gerechnet, neu gemalt, noch mal gezählt, ... alles klar.
Auf die Plätze, fertig, ... los!

3 Streifen kombiniert zusammengenäht, wieder kaputt geschnitten, Reste beiseite, Quadrate auf den Stapel, und von vorne … und das über mehrere Tage.
Mit einem großen Haufen bunter Quadrate unter dem Arm, bin ich dann ins Esszimmer gestiefelt und habe meinem Mann erklärt, dass ich einen großen Tisch, ein gaaaanz großen Tisch bräuchte. Kein Problem, sagte er. Esszimmertisch ausgezogen, Terrassentür auf, Gartentisch rein, Brett gesucht, Schraubzwinge gesucht. Fertig!  200 x 220 cm Fläche in angenehmer Arbeitshöhe waren fertig.
Während ich die Quadrate ausgelegte, habe ich mich selbst hypnotisiert: „weiß oben, weiß links, weiß oben, weiß links, weiß oben, weiß links,…“  Was trinkt die Kuh?
Als ich fertig war, wurde mir eins ganz schnell bewusst, wenn ich mir mein Kunstwerk komplett von oben angucken wollte, musste ich rauf auf den Tisch … oje.
Aber es gibt gute Nachrichten: Der Tisch und ich haben es überlebt!

Dann habe ich alle Quadrate reihenweise eingesammelt und zu Reihen zusammen genäht. Das Top war schnell fertig. Für die Rückseite habe ich aus den Resten eine bunte Reihe ohne weißen Streifen zusammen gestückelt und in den grauen Rückseiten-Stoff eingefügt. Eine gute Lösung auch dafür, falls mal eine Stoffbahn zu schmal sein sollte.
Nun kam ein weiteres Highlight: das Sandwich!
Diesen Job erledige ich zusammen mit meinem Mann. Er ist schon ein alter Hase und weiß, worauf es ankommt.


Da ich noch nicht so sehr viele Quilts genäht habe, komme ich immer wieder in die Versuchung etwas zu verbessern. Hierbei wollte ich mal das Freudenberger 278 SOYA-MIX-Vlies testen. Mein Mann hat dabei gelernt: Weniger Sprühkleber ist hier mehr!
Ansonsten ließ es sich aber prima verarbeiten. Sehr stabil und nicht sehr dick, aber dafür schwerer als Polyester. Auf eine andere Eigenschaft komme ich später …


Nun war es an der Zeit, den in der Anleitung angepriesenen Hera Marker auszuprobieren.
Ein Meter-Lineal fand sich auch noch im Keller und so konnte ich prima die Quiltlinien durch Quadrate diagonal markieren. Okay, hier kamen jetzt kleine Differenzen ans Licht, aber nur hier. 
Eine schöne Arbeit war es nicht, das Riesending diagonal durch die Maschine zu arbeiten, aber alles hat ein Ende …

Jetzt nur noch den Quiltrand annnähen und ach ja, ich wollte ja noch ein Schildchen mit Widmung an die Decke machen. Hier wurden auch wieder ganz viele Ideen verworfen und vergessen. Hannah hatte sich Markus 9,23 als Konfirmationsspruch ausgesucht. „Alles ist möglich dem, der da glaubt.“
Eigentlich nix Aufwändiges, aber mir war er trotzdem zu lang für eine passende Gestaltung und so habe ich nur „Hannah · 24.05.2015 · Mk. 9,23“ gestickt. Das war gerade so lang, dass es diagonal auf die erste Quiltnaht in der Ecke unten passte. Mit Vliesofix, Stick- und Nähgarn wurde es fixiert und hält jetzt bombenfest. (Hannahs Freundin nach dem Auspacken: „Guck mal, da steht sogar dein Geburtsdatum drauf!“)





Danach konnte dann der Quiltrand endlich angenäht werden. Mittlerweile bin ich soweit, dass ich diese Handarbeit genieße. Gemütlich zugedeckt, gucke ich mir die Decke dabei immer wieder an und verabschiede mich dabei ganz langsam von ihr. Das fiel mir hier diesmal aber richtig schwer und so lag der Quilt auch noch ein paar Tage fertig hier herum, damit ich ihn immer mal wieder streicheln konnte. Fotos wollte ich ja auch noch davon machen. Und Waschen stand auch noch auf dem Plan, da ich die Stoffe nicht vorgewaschen hatte. Ein Alptraum bei den schmalen Streifen!

Das Wetter wurde langsam besser und so wagte ich den Gang in den Keller. Ein bisschen mulmig war mir schon. Schließlich hatte ich nicht nur grell rote und weiße Stoffe direkt aneinander genäht, sondern auch schwarze bzw. dunkelblaue! In meiner Packung waren noch 13 Farbfangtücher. Ob das reichen würde? Mehr ging nicht, also Augen zu und Türe zu, 30 Grad, Buntwäsche eingestellt und schnell das Licht im Keller ausgemacht. Nach einer Stunde kam der Moment der Wahrheit.
Ich machte die Waschmaschine auf und es kamen mir zuerst die Farbfangtücher entgegen. Zum Glück waren sie nur leicht eingefärbt und hatten sich die überschüssigen Farbpigmente aus den Stoffen brüderlich geteilt. Was dann auf mich zukam, kann ich schlecht beschreiben. Meine Nase meldete jedenfalls Alarm an mein Hirn. Es roch nach feuchtem Schaf oder so ähnlich. Ich nahm die Decke heraus und konnte jetzt das Durfterlebnis in seinem ganzen Umfang genießen. Uijuijui … hoffentlich geht das noch weg, sonst muss ich noch eine Nasenklammer dazu verschenken.

Ich packte die Decke erst einmal raus auf die Wäschespinne und genoss ihren Anblick, ohne an den Duft zu denken. Schööön! Ich war sehr zufrieden mit meiner Arbeit.
Nachdem ich einige Zeit später die Decke auf der Leine gewendet hatte um sie von beiden Seiten trocknen zu lassen, kam ein zweiter Schock. Grüne Flecken auf der Decke! Ich hatte vergessen zu schauen, ob denn auch die Wäscheleine sauber war. Die Decke war mit fast 150 cm breiter als alles was sonst dort aufgehängt wurde und kam so in Ecken, die sonst keiner kannte.


Also wieder in den Keller, Waschmaschine auf, Decke rein, Waschmaschine zu. Schnellprogramm. Und raus Wäscheleine putzen!
Eine halbe Stunde später, wieder in den Keller, Decke raus auf die Leine und Schweiß abwischen.

Die Decke war dann irgendwann trocken, noch sauber und roch auch wieder angenehm nach Waschpulver und wurde erst mal wieder in Sichtweite abgelegt. Zum Fotografieren hatte ich noch keine gute Idee.
Leider ist die bis heute nicht gekommen und so habe ich dann irgendwann einfach eine Leine unter unsere Terrassen-Bedachung geknotet und sie dran gehängt. Windstärke drei ist hier Standard, aber ich konnte zwischen den Windböen immer mal ein Bild machen, bevor der Akku müde wurde.



Rail Fence Rainbow - Vorderseite

Rail Fence Rainbow - Rückseite


Ich wollte hier mal wieder besonders schöne Bilder machen und benutzte Holzwäscheklammern. Die sehen einfach besser als, als mein buntes Plastiksammelsurium. Leider waren sie aber dem Gewicht des Quilts in Kombination mit Wind nicht gewachsen und mein bestes Stück stürzte sich todesmutig ins Blumenbeet. Oh nein. Es waren wieder mal grüne Flecken auf der Rückseite! Grrrrrrrrr!

Also noch mal damit in die Waschmaschine. Jetzt war meine Bereitschaft zum Risiko weg und ich trocknete die Decke im Trockner leicht an legte sie dann in der Waschküche über den Wäscheständer. Schnauze voll!
Mittlerweile fiel mir die Trennung von diesem „bunten Stofffetzen“ auch gar nicht mehr so schwer und ich packte sie schnell in einen Karton. Licht- und luftdicht verpackt. Feierabend!

Endlich war es soweit. Hannah durfte das Geschenk auspacken und freute sich sehr. Mein bunter Alptraum gefiel ihr. Puuuh, da war ich aber froh. Diese Angst hatte ich irgendwie bis zum Schluss, auch wenn sämtliche Nachbarinnen, Freundinnen und Bekannte sich bei mir zwischenzeitlich als Patenkind beworben hatten und somit klar machten, wie schön die Decke sei. Aber so ein Teenager ist noch mal eine ganz andere Hausnummer, wenn es darum geht Freude auszudrücken!

Und nach dem Quilt ist vor dem Quilt. Ein kleiner Karton kam gestern schon hier an ...

1 Kommentar:

  1. eine tolle Quiltgeschichte. Und ich wäre auch sehr gerne dein Patenkind gewesen.
    Winkegrüße Lari

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